Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan?
Die staatliche Zulage macht das Altersvorsorgedepot attraktiv – aber nicht automatisch besser. Kosten, Steuern und Verfügbarkeit entscheiden mit. Ein fairer Vergleich betrachtet deshalb, was bei gleichem eigenen Sparbeitrag im Ruhestand netto übrig bleibt.
- Das Altersvorsorgedepot punktet mit Zulagen und steuerfreiem Wachstum während der Ansparphase.
- Der freie ETF-Sparplan ist flexibler; bei einem Aktienfonds sind 30 % der Erträge steuerfrei.
- Hohe AVD-Kosten können den Fördervorteil über Jahrzehnte deutlich verkleinern.
- Im Ruhestand wird der geförderte AVD-Anteil nachgelagert besteuert; beim ETF werden grundsätzlich die Erträge besteuert.
- Es gibt keine feste Kostenschwelle oder Einkommensgrenze, die für alle gilt – dein Szenario entscheidet.
Was unterscheidet Altersvorsorgedepot und ETF-Sparplan?
Beide Wege können in breit gestreute ETFs investieren. Der Unterschied liegt vor allem in der Hülle: Das Altersvorsorgedepot ist ein zertifizierter Vorsorgevertrag mit staatlicher Förderung und festen Regeln für die spätere Auszahlung. Der freie ETF-Sparplan ist ein normales Wertpapierdepot ohne Zulagen, dafür aber grundsätzlich jederzeit verfügbar.
Welche Hebel entscheiden den Vergleich?
1. Förderung und Familie
Auf die ersten 360 € Eigenbeitrag pro Jahr kommen 50 Cent Grundzulage je Euro. Für weitere Beiträge bis insgesamt 1.800 € gibt es 25 Cent je Euro. So sind bis zu 540 € Grundzulage möglich. Zusätzlich können bis zu 300 € Kinderzulage je kindergeldberechtigtem Kind hinzukommen. Wer förderberechtigt ist und Kinderzulagen erhält, startet deshalb mit einem stärkeren AVD-Vorteil.
2. Gesamtkosten des Altersvorsorgedepots
Schon kleine jährliche Kostenunterschiede wirken über Jahrzehnte auf das gesamte Kapital. Vergleiche deshalb nicht nur die ETF-Kosten, sondern auch Vertrags-, Verwaltungs-, Wechsel- und spätere Auszahlungskosten. Der gesetzliche Kostendeckel von 1,0 % Effektivkosten gilt für das Standarddepot – nicht automatisch für jedes Altersvorsorgedepot.
3. Steuer heute und im Ruhestand
Beim AVD können Zulagen und ein möglicher zusätzlicher Sonderausgaben-Vorteil heute helfen. Dafür wird der geförderte Teil der Auszahlung später mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Beim freien Aktien-ETF bleiben eigene Einzahlungen unversteuert; bei Erträgen greift grundsätzlich die Kapitalertragsteuer, wobei 30 % der Erträge eines Aktienfonds teilfreigestellt sind. Ein hoher heutiger Steuersatz kann den AVD-Weg stärken, ein hoher Steuersatz im Alter kann ihn schwächen.
4. Laufzeit, Rendite und Verfügbarkeit
Je länger die Laufzeit, desto stärker wirken Förderung, Kosten und Steuern über den Zinseszinseffekt. Gleichzeitig ist frei verfügbares ETF-Vermögen nicht dasselbe wie gebundenes Altersvorsorgekapital. Notgroschen, Immobilienpläne oder ein möglicher früher Ruhestand gehören deshalb in die Entscheidung – auch wenn ein Weg rechnerisch einen höheren Endwert zeigt.
- du die Zulagen vollständig nutzen kannst,
- Kinderzulagen hinzukommen,
- der Vertrag langfristig günstig bleibt,
- du heute einen höheren als im Ruhestand erwarteten Steuersatz hast,
- du das Geld bis zur Rente nicht benötigst.
- das AVD deutlich höhere Gesamtkosten hat,
- dein Steuervorteil heute gering und die Besteuerung im Alter hoch ist,
- du nicht oder nur eingeschränkt förderberechtigt bist,
- du das Kapital vor Rentenbeginn flexibel brauchst,
- die konkrete AVD-Anlage schlechter oder eingeschränkter ist.
Was gilt bei mehr als 150 € Sparrate pro Monat?
Bei 1.800 € Eigenbeitrag pro Jahr – also 150 € monatlich – ist die maximale Grundzulage erreicht. Du kannst zwar bis zu 6.840 € pro Jahr in den Vertrag einzahlen, erhältst auf den Teil oberhalb von 1.800 € aber keine weitere Grundzulage.
Daraus folgt nicht automatisch „bis 150 € immer AVD, darüber immer ETF“. Auch der geförderte Teil muss seine zusätzlichen Kosten und die spätere Besteuerung erst ausgleichen. Umgekehrt kann ungefördertes Geld im AVD von der steuerfreien Ansparphase profitieren. Für ein Budget oberhalb von 150 € sollte deshalb eine Aufteilung aus AVD und freiem ETF mit denselben Annahmen geprüft werden.
Was berechnet unser Vergleich?
Der Rechner stellt 100 % Altersvorsorgedepot und 100 % freien ETF-Sparplan bei gleichem Eigenbeitrag gegenüber. Für beide Wege nutzt er dieselbe Bruttorendite. Unterschiede entstehen durch Zulagen, Kosten und Steuern. Die Ergebnisse zeigen modellierte Netto-Auszahlungen im Ruhestand – keine garantierte Rendite und keine persönliche Anlageempfehlung.
Du kannst unter anderem Alter, Sparrate, Kinder, Kosten, heutiges Einkommen und sonstiges Einkommen im Ruhestand verändern. Der Rechner zeigt außerdem, bei welchen AVD-Kosten das Ergebnis in deinem Szenario kippen könnte. Die vollständige Rechenlogik, Grenzen und Vergleichstests sind offen dokumentiert.
Häufige Fragen
01Ist das Altersvorsorgedepot wegen der Zulage immer besser?
Nein. Die Zulage ist ein wichtiger Vorteil, aber Kosten, Laufzeit, Besteuerung im Ruhestand und die eingeschränkte Verfügbarkeit können das Ergebnis drehen. Entscheidend ist der Vergleich nach Kosten und Steuern bei gleichen Annahmen.
02Kann ein ETF-Sparplan trotz fehlender Förderung besser abschneiden?
Ja. Ein günstiger ETF-Sparplan kann insbesondere bei hohen AVD-Kosten oder ungünstiger Besteuerung im Alter rechnerisch vorn liegen. Außerdem bleibt das Vermögen grundsätzlich flexibel verfügbar.
03Was passiert bei mehr als 150 Euro Sparrate im Monat?
Bei 150 Euro monatlichem Eigenbeitrag ist die maximale Grundzulage erreicht. Höhere Beiträge bis zur Vertragsgrenze sind möglich, erhöhen die Grundzulage aber nicht. Ob zusätzliches Geld im AVD oder in einem freien ETF besser aufgehoben ist, hängt vom konkreten Vertrag und deiner Steuersituation ab.
04Kann eine Mischung aus Altersvorsorgedepot und ETF sinnvoll sein?
Ja. Eine mögliche Strategie ist, die Förderung im AVD zu nutzen und weiteres Budget flexibel im ETF anzulegen. Das ist aber kein allgemeines Optimum: Kosten, Kinderzulagen, Laufzeit, Steuern und persönlicher Liquiditätsbedarf verändern die passende Aufteilung.