Altersvorsorgedepot vererben: Was im Todesfall passiert
Das noch vorhandene Vermögen ist grundsätzlich vererbbar. Entscheidend ist aber, wer erbt und ob der Vertrag noch spart, als Auszahlplan läuft oder bereits als lebenslange Leibrente zahlt.
- Andere Erben erhalten das Vermögen grundsätzlich nach Rückzahlung der zugeordneten Förderung.
- Der überlebende Ehegatte kann es unter den gesetzlichen Voraussetzungen ohne Rückzahlung der Förderung auf einen eigenen Altersvorsorgevertrag übertragen.
- Restkapital eines Auszahlplans ist vererbbar.
- Eine normale Leibrente endet mit dem Tod.
- Eine vereinbarte Rentengarantiezeit von zehn oder zwanzig Jahren kann Hinterbliebenenzahlungen ermöglichen.
Welche Regel gilt in welcher Phase?
Förderung, Steuer und verbleibendes Kapital getrennt prüfen
| Empfänger / Vertragsform | Förderungsrückzahlung | Steuer und Kapital |
|---|---|---|
| Ehepartner: zulässige Vertragsübertragung | Keine Rückzahlung bei eigenem Zielvertrag, nicht dauernd getrennt und grundsätzlich EU/EWR-Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt beider Ehegatten im Todeszeitpunkt. | Kapital bleibt im Altersvorsorgevertrag gebunden; spätere Leistungen sind steuerlich zu prüfen. |
| Kinder und andere Erben: Kapitalauszahlung | Zugeordnete Zulagen und festgestellte Steuerermäßigungen grundsätzlich zurückzahlen. | Steuerpflichtiger Ertrag kann Einkommensteuer auslösen; Erbschaftsteuer gesondert prüfen. Kein pauschaler Nettoerbwert. |
| Leibrente ohne / mit Garantiezeit | Für vereinbarte zehn- oder zwanzigjährige Garantiezeiten gelten besondere Regeln; Vertragsleistungen prüfen. | Ohne Garantiezeit endet die normale Leibrente mit dem Tod. Mit Garantiezeit können Zahlungen weiterlaufen; kein frei vererbbares Depot-Restkapital. |
Warum ist der Ehegatte besonders gestellt?
Das noch nicht ausgezahlte Altersvorsorgevermögen kann ohne Rückzahlung von Zulagen und gesondert festgestellten Steuerermäßigungen auf einen Altersvorsorgevertrag des überlebenden Ehegatten übertragen werden. Der Zielvertrag muss auf dessen Namen lauten. Im Todeszeitpunkt dürfen die Ehegatten nicht dauernd getrennt gelebt haben; grundsätzlich müssen beide ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in der EU oder im EWR gehabt haben. Die Begünstigung betrifft die Förderungsrückzahlung, nicht eine pauschale Steuerfreiheit.
Was gilt für Kinder, unverheiratete Partner und andere Erben?
Sie können das Vermögen erben, müssen aber grundsätzlich die dem Vertrag zugeordneten Zulagen und gesondert festgestellten Steuerermäßigungen zurückzahlen. Nach der Förderungsrückforderung kann zusätzlich Einkommensteuer auf den steuerpflichtigen Ertrag nach § 22 Nr. 5 Satz 3 EStG anfallen. Erbschaftsteuer ist gesondert zu prüfen. Vertragswert minus Zulagen ist deshalb kein verlässlicher Nettoerbwert.
Das BMF nennt die förderunschädliche Vertragsübertragung ausdrücklich für den überlebenden Ehegatten. Für Kinder oder unverheiratete Lebensgefährten sollte sie deshalb nicht unterstellt werden.
Auszahlplan oder Leibrente: Was schützt wen?
- Restvermögen bleibt bis zur Auszahlung individuell zugeordnet.
- Erben können vorhandenes Kapital erhalten.
- Nach Planende gibt es keine weiteren Zahlungen.
- Zahlung läuft lebenslang und sichert Langlebigkeit ab.
- Ohne Garantiezeit endet sie beim Tod.
- Garantiezeit kostet typischerweise Leistungshöhe; konkrete Konditionen entscheiden.
Auszahlplan und Leibrente verstehen →
Welche Unterlagen sollten Angehörige finden?
- Anbieter, Vertragsnummer und aktuelle Standmitteilung,
- Benennung möglicher Bezugsberechtigter im Vertrag,
- Testament oder Erbvertrag, soweit vorhanden,
- Hinweis auf den eigenen Altersvorsorgevertrag des Ehegatten,
- Vertragswahl für Auszahlplan, Leibrente und Garantiezeit.
Vertragsklauseln, Erbrecht und Steuerrecht greifen ineinander. Bei größeren Vermögen, Patchwork-Familien oder Wohnförderkonto ist individuelle Rechts- und Steuerberatung sinnvoll.